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13. November 2024

Allergien nehmen zu: Warum leiden immer mehr Menschen unter Heuschnupfen und Co.?

Juckende Augen, plötzliches Niesen und eine ständig laufende Nase – wem kommt das auch bekannt vor? Allergiesymptome setzen oft unvermittelt ein und neigen dazu, immer wieder aufzutreten. Das Spektrum reicht von „normalen“ Pollenallergien über Hausstaubmilben- und Tierhaarallergien bis hin zu starken Hautausschlägen. Die meisten erwischt es im Frühling, wenn die Heuschnupfen-Saison startet, und es werden immer mehr. Die massive Zunahme an Allergikern in den letzten Jahren zeigt, dass sich Allergien nicht alleine auf genetische Gründe zurückführen lassen. Es sind auch externe Faktoren wie der Klimawandel oder die Ernährung ausschlaggebend. Mehr dazu erfahren Leser im heutigen Blog-Eintrag.

Nach Angaben des renommierten Robert-Koch-Instituts entwickeln mehr als 20 Prozent aller Kinder und mehr als 30 Prozent aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens mindestens eine allergische Erkrankung. Klarer Spitzenreiter ist mit 72 Prozent die Pollenallergie, was eine repräsentative Umfrage unter Betroffenen des „Allergieatlas“ im Jahr 2023 gezeigt hat. Die aktuellen Daten zeigen uns außerdem, dass Allergiebeschwerden zugenommen haben: 39 Prozent der Allergiker gaben an, dass sich ihre Symptome innerhalb der letzten Jahre verschlimmert hätten. Für 10 Prozent waren sie deutlich schlimmer, für 29 Prozent immerhin etwas schlimmer.

Dem gegenüber stehen nur 20 Prozent aller Allergiker, die angaben, dass ihre Beschwerden in den letzten Jahren nachgelassen haben. Darüber hinaus berichteten 25 Prozent der Allergiker, dass ihre Symptome mittlerweile über einen längeren Zeitraum anhalten als früher. Weitere 16 Prozent gaben zu bedenken, dass sie insgesamt häufiger auftreten. Das sind alarmierende Zahlen, die uns deutlich zeigen, dass Allergien nicht nur gentechnische Ursachen zugrunde liegen. Aber woran liegt der Anstieg dann? Spielt die Corona-Pandemie eine Rolle? Und was kann jeder einzelne unternehmen, um Allergien vorzubeugen? Diese Fragen beantworten wir euch in den kommenden Abschnitten.

Was ist eine Allergie?

Doch zunächst einmal kurz zu den Basics und damit zu der Frage, was eine Allergie überhaupt ist. Es handelt sich dabei nämlich um keine infektiöse Erkrankung (auch wenn sich die Symptome teilweise ähneln), sondern um eine überschießende Immunreaktion.

Eigentlich harmlose Substanzen wie Pollen, Nahrungsmittel oder Tierhaare stuft der Körper als Feind ein, den es zu bekämpfen gilt. Als Reaktion kommt es zur Bildung von übermäßig vielen Antikörpern. In weiterer Folge werden daraufhin Botenstoffe wie das Hormon Histamin ausgeschüttet. Aufgrund der im Übermaß vorhandenen Antikörper können fortan schon kleinste Mengen des Allergens heftige allergische Reaktionen auslösen.

Eine Allergie zeigt sich anhand zahlreicher, unangenehmer Symptome. Das sind vor allem:

  • Tränende und juckende Augen
  • Vermehrtes Niesen und Niesreiz
  • Atemnot, Husten und Asthmaanfälle
  • Fließschnupfen und geschwollene Schleimhäute
  • Juckende Haut oder Hautausschläge
  • Unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen

Auch wenn es sich um keine infektiöse Erkrankung handelt, auf die leichte Schulter nehmen sollte man eine Allergie in keinem Fall. Immerhin handelt es sich dabei um eine chronisch verlaufende Erkrankung, die unbehandelt in Einzelfällen schwere Folgen nach sich ziehen kann.

Allergien kennen kein Alter: Vom Baby bis zum Greis kann von einer Allergie jeder Mensch betroffen sein. In Zeiten hormoneller Veränderung (Schwangerschaft, Pubertät, Wechseljahre) treten allergische Erkrankungen oft stärker in Erscheinung. Teilweise können sich die Symptome durch Hormonumstellungen aber auch verbessern. Eine auffällige Zunahme von Allergien gibt es in der Altersgruppe der über 60-jährigen. Neben der Tatsache, dass die ältere Generation heute über ein recht aktives Immunsystem verfügt, liegen Gründe in Veränderungen in Bezug auf die Hautbarriere sowie in der teils allergiebegünstigenden Medikation.

Warum nehmen Allergien zu?

Genetische Ursachen für Allergien sind zwar nicht der einzige Grund, aber man kann sie nicht wegdiskutieren. Allergische Erkrankungen treten oft familiär gehäuft auf. Darüber hinaus tragen aber viel externe Faktoren wesentlich dazu bei, dass Allergien in Industrieländern auf dem Vormarsch sind. Das sind neben verschiedenen Umweltbedingungen vor allem unsere Lebensgewohnheiten sowie die Zunahme von hygienischen Standards.

Gegen die genetische Komponente kann man nichts tun, gegen diese externen Faktoren aber sehr wohl. Daher ist es im Sinne der Allergievorbeugung sinnvoll, die eigenen Lebensbedingungen genau unter die Lupe zu nehmen. Denn eines ist ohne Zweifel wahr: Allergien verursachen bei Betroffenen nicht nur großen Leidensdruck, sondern sorgen auch für immense direkte und indirekte Krankheitskosten in Form von Behandlungen oder Medikation.

Im Folgenden haben wir uns daher einmal vier externe Faktoren angesehen, welche wesentlich zum Anstieg von Allergien in den letzten Jahrzehnten beigetragen haben:

Grund 1: Der Klimawandel

Die durch den Klimawandel entstandenen, weltweiten Temperaturanstiege bewirken, dass der Pollenflug mittlerweile nicht nur früher einsetzt, sondern auch vergleichsweise lange andauert. In unseren Breiten sind Heuschnupfen-Symptome von Februar bis Oktober längst keine Seltenheit mehr. Darüber hinaus begünstigen klimatische Veränderungen die Ansiedlung von bisher unbekannten Pflanzen, die teils heftige Allergien auslösen können. Ein exzellentes Beispiel ist Ragweed (Traubenkraut), das für so manchen Heuschnupfen im Herbst verantwortlich ist.

Hinzu kommt, dass CO2 („Klimagas“) auf viele Pflanzen wie eine Art Dünger wirkt. Auch das sorgt für einen immer stärkeren Pollenflug. Ozon und Treibstoff triggern die Pflanzenpollen zusätzlich. Diese schütten als Folge allergieauslösende Eiweiße aus, um widerstandsfähig zu bleiben. Pollen werden aufgrund des Klimawandels also aggressiver und lösen daher heftigere Reaktionen aus. Denselben Effekt haben langanhaltende Dürreperioden („Trockenstress“ für Pflanzen führt ebenfalls zur Ausschüttung von Eiweiß).

Grund 2: Schadstoffe als Trigger

Umweltverschmutzung ist in Industrieländern ein großes Thema. Das hohe Verkehrsaufkommen, die Urbanisierung, Fabriken und generell industrielles Interesse machen der Umwelt stark zu schaffen. Entsprechende Schadstoffe können Allergien auf mehrere Arten beeinflussen. Einerseits setzen sich Feinstaub und Ruß in den Pflanzenpollen ab und lösen entweder Reaktionen aus oder verstärken sie. Andererseits wirken sich Schadstoffe auch negativ auf die Widerstandsfähigkeit des Menschen aus. Damit haben potenzielle Allergene leichtes Spiel. Der Fokus liegt hier in erster Linie auf der Hautbarriere und der Lungenfunktion.

Interessant: Studien haben ergeben, dass das Risiko für Asthma oder Neurodermitis bei Kindern ansteigt, wenn sie an stark befahrenen Straßen wohnen.

Grund 3: Ernährung

Bei der Ernährung sollte unbedingt auf stark verarbeitete Lebensmittel verzichtet werden. Diese stehen schon lange im Verdacht, Allergien zu triggern. Dass allergene Lebensmittel wie Milch, Eier, Nüsse oder Tomaten bereits im Kindesalter ausgespart werden, ist dagegen nach neuesten Erkenntnissen nicht ratsam. Kinder entwickeln auf diese Weise keine Toleranzen, was sich später nachteilig auswirkt. Unverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien bilden sich im Laufe der frühen Kindheit ohnehin häufig zurück. Das liegt daran, dass sich das kindliche Immunsystem noch entwickelt.

Grund 4: Übertriebene Hygiene

Das mag auf den ersten Blick komisch klingen, aber übertriebene Hygiene und „Abschottung“ von allem, was potenziell gefährlich sein könnte, fördert die Entwicklung von Allergien. Im urbanen Bereich ist der Kontakt mit der mikrobiellen Umgebung (damit meinen wir Keime, Tiere, Natur und „Dreck“) oft spärlich, was in Kombination mit mangelnder Bewegung und einer einseitigen Ernährung vermehrt Allergien auf den Plan ruft. Diese These wurde über die Jahre von vielen Studien bestätigt. Es gilt daher als belegt, dass „Landkinder“ deutlich weniger unter allergischen Erkrankungen leiden als Kinder, die in der Stadt aufwachsen.

Corona-Pandemie und Allergien: Gibt es Zusammenhänge?

Auch die Corona-Pandemie und ihre Folgen wirken sich möglicherweise auf das Allergiegeschehen aus. Noch ist die Datenlage hier etwas unklar, doch Forscher haben festgestellt, dass unter einem Lockdown bei Neugeborenen und Kleinkindern Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten auftraten (hier die Quelle). Laut dieser Studie spricht vieles dafür, dass eine durch die Kontaktbeschränkungen reduzierte mikrobielle Vielfalt im frühen Kindesalter für eine Zunahme von Allergien verantwortlich sein könnte. Interessant wird es jetzt: Anscheinend beeinflusst nicht nur die Pandemie das Allergiegeschehen, auch in die andere Richtung scheint es Auswirkungen zu geben.

So lässt sich ein Zusammenhang zwischen hoher Pollenkonzentration in der Luft und der SARS-CoV-2-Infektionsrate feststellen (hier die Quelle). Zwar wirken sich Bevölkerungsdichte und Lockdown am stärksten auf das Infektionsgeschehen aus, aber Umweltfaktoren wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur und eben Pollen spielen ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bekannt ist, dass starker Pollenflug Atemwegsinfekte bei Allergikern und Nicht-Allergikern begünstigt (hier die Quelle). Offenbar profitiert von diesem Effekt auch das Corona-Virus.

Allergien effektiv vorbeugen: So klappt’s

Doch damit zurück zum Thema Allergie und der Frage, wie man Allergien denn effektiv vorbeugen kann. Die Antwort: Auf die genetischen Voraussetzungen haben wir natürlich keinen Einfluss, auf die externen Faktoren aber sehr wohl. Allergien nach bestem Wissen und Gewissen vorzubeugen, ist daher möglich, und zwar durch eine bewusste Ernährung, eine schadstofffreie Umgebung und eine richtige Hygiene. Mehr dazu in den folgenden Abschnitten:

Tipp 1: Ernährung umstellen

Generell sollte eine Ernährung möglichst gesund und abwechslungsreich gestaltet werden. Auf stark verarbeitete Lebensmittel gilt es zu verzichten. Interessant: Bereits in der Schwangerschaft wirkt sich eine vielseitige und ausgewogene Ernährung positiv auf das Allergierisiko aus. Dabei sollte in der Schwangerschaft keinesfalls auf auf potenziell allergene Lebensmittel verzichtet werden. Dass Stillen das Allergierisiko senken kann, ist zudem wissenschaftlich bewiesen. Wenn möglich, sollte das Baby bis zum Beikoststart ausschließlich die Brust bekommen. Alternativ kann auf hypoallergene Säuglingsnahrung (HA-Nahrung) zurückgegriffen werden.

Tipp 2: Für schadstofffreie Umgebung sorgen

Eine möglichst schadstofffreie Umgebung ist die beste Voraussetzung, um das Allergierisiko gering zu halten. Neben Feinstaub- und Ozonbelastung sowie Autoabgasen dürfen Innenräume nicht vergessen werden. Vor allem Wohn- und Schlafbereiche müssen schadstofffrei und natürlich gestaltet werden. Bei Baustoffen, Wandfarben und Möbeln gilt es, auf eine entsprechende Produktion zu achten.

Eine wichtige Rolle kommt zudem einer rauchfreien Umgebung zu, da ein direkter Zusammenhang zwischen Nikotin und der Entwicklung von Allergien anzunehmen ist. Das gilt vor allem für die Schwangerschaft und das Kindesalter. Auswirkungen durch das Passivrauchen können mitunter immens sein. Wichtig: Nikotin ist auch über Hautkontakt übertragbar.

Tipp 3: Immunsystem fordern

Übertriebene Hygiene steht im Verdacht, Allergien zu begünstigen. Im Sinne der Prävention raten Experten daher, gerade die Kleinsten nicht zu sehr abzuschotten. Der regelmäßige Kontakt mit Witterung, Tierhaaren, Natur oder „Dreck“ wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus und kann daher Allergien vorbeugen. Darüber hinaus sind für ein starkes Immunsystem das regelmäßige Aufenthalten in der Natur und ausreichend Bewegung wichtig. Es gibt Hinweise, dass zwischen Übergewicht und allergischem Asthma ein direkter Zusammenhang besteht.

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