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13. April 2024

Versteckte Allergien: Diagnose, Risiken und Tipps

Hausstaub, Pollen und Tierhaare sind die Klassiker: Mehr als 30 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland haben mindestens eine allergische Erkrankung. Oft sind die Auslöser klar, teilweise aber auch schwer zu erkennen. So gibt es beispielsweise einige seltene Allergien auf alltägliche Stoffe, die häufig komplett unentdeckt bleiben. Das können so banale Dinge wie Fleisch, Wolle oder Sonne sein. Wir sprechen dann von versteckten Allergien. Wie sich diese erkennen lassen und was besondere Risikoprodukte sind, erfahren Leser im heutigen Blog.

Wenn die Augen tränen oder die Haut juckt, kann eine allergische Reaktion der Grund sein. Nicht selten ist der Auslöser selbst nach Jahren von Beschwerden unbekannt – in einigen Fällen ist er gar außergewöhnlich, obwohl es sich um alltägliche Dinge handelt. Wussten Sie beispielsweise, dass selbst Fleisch, Wolle oder die Sonne allergische Reaktionen hervorrufen können?

In diesem Blog-Eintrag erklären wir Ihnen, wie sich bei Nahrungsmittelallergien Allergene im Essen erkennen lassen, wo das Risiko für versteckte Allergene besonders hoch ist und wie Allergiker selbst auf unerwartete Allergenquellen gut vorbereitet sein können.

Was sind (versteckte) Allergien bei Nahrungsmitteln?

Bei einer Nahrungsmittelallergie reagieren Betroffene nach dem Verzehr eines oder mehrerer bestimmter Nahrungsmittel mit Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen. Es handelt sich um eine allergische Reaktion auf Stoffe, die unser Körper nicht verträgt. Hier sind, anders als bei einer Unverträglichkeit, Prozesse des Immunsystems ursächlich. Eine Nahrungsmittelallergie führt zu akuten, schnell einsetzenden Beschwerden.

„Du siehst mich nicht, also bin ich nicht da!“ Wer schon einmal mit kleinen Kindern gespielt hat, kennt dieses Spiel. Die Kids halten sich die Hände vor die Augen und glauben dann, dass sie in dem Moment, in dem sie nichts mehr sehen können, auch selber nicht mehr zu sehen, also versteckt sind. Was als Kinderspiel lustig ist, kann im Falle einer versteckten Allergie schnell gefährlich und in Ausnahmesituationen sogar lebensbedrohlich werden.

Nahrungsmittelallergiker sind in ihrem Leben darauf angewiesen, sicher und genau zu wissen, was in ihrem Essen enthalten ist und was nicht. Leider sieht man einem Lebensmittel von außen nur selten an, welche Allergene darin enthalten sind. Und alleine die Tatsache, dass man ein Allergen wie Nüsse oder Milcheiweiß nicht sieht, bedeutet eben nicht auch automatisch, dass dieses nicht vorhanden ist. Sei es als Zutat oder als mögliche Verunreinigung, als sogenannte „Spur“.

Je nach Schwere der Allergie kann es im schlimmsten Fall um Leben und Tod gehen. Rein statistisch betrachtet sind tödliche anaphylaktische Reaktionen auf Lebensmittel zwar sehr selten – aber sie kommen durchaus vor. Und leider weiß niemand zu Beginn einer allergischen Reaktion, wie leicht oder schwer sie verlaufen wird. Allergiker sind daher zu 100 Prozent darauf angewiesen, detailliert zu wissen, was sie essen und trinken.

Wie lassen sich versteckte Allergene erkennen?

Hier gilt zum einen das Motto: „Always read before you eat!“ (deutsch: „Immer erst lesen vor dem Essen!“). Denn bereits seit dem Jahr 2005 gibt es eine EU-weite Kennzeichnungspflicht für die 14 häufigsten Auslöser von Allergien. Dazu zählen unter anderem Ei, Milch, Erdnuss, glutenhaltiges Getreide und Nüsse sowie Schalenfrüchte – bei den letzten beiden genannten unter namentlicher Erwähnung der Sorte. Sobald diese Allergene oder daraus hergestellte Erzeugnisse bewusst und gemäß Rezeptur in einem Lebensmittel enthalten sind, müssen sie deklariert werden. Dabei ist es völlig unerheblich, wie groß die Menge des enthaltenen Allergens ist.

Zum anderen können Sie sich merken: „When it doubt, leave it out!“ (deutsch: „Wenn Zweifel besteht, lieber weglassen“). Denn diese Kennzeichnungspflicht ist nur auf die allergenen Zutaten begrenzt. Die Kennzeichnung von den oben bereits erwähnten „Spuren“ durch eine mögliche Kreuzkontamination oder eine unbeabsichtigte Verunreinigung durch Allergene ist hingegen freiwillig. Daher ist auch nicht definiert, welche Allergenmenge als „Spur“ bezeichnet wird.

Als Letztes muss noch zwischen verpackter und loser Ware unterschieden werden. Was für verpackte Ware gilt, gilt in der gesamten EU seit 2014 und in Deutschland seit 2016 auch für lose oder unverpackt verkaufte Ware – beispielsweise beim Bäcker, beim Metzger oder im Restaurant. Auch hier müssen Allergene deklariert werden, die „Spuren“ allerdings nicht. Und das trotz eines gewaltig höheren Risikos an Kreuzkontaminationen aufgrund der offenen Lagerung und Zubereitung der Lebensmittel.

Übrigens: In Deutschland reicht es rechtlich gesehen aus, mündlich auf die Allergene in loser Ware hinzuweisen, wenn die schriftliche Information einsehbar ist.

Risikoprodukte bei Nahrungsmittelallergien

Als Verbraucher denken Sie vermutlich wie so viele andere bei bestimmten Lebensmitteln: Da können einfach keine Allergene enthalten sein! Der erste Eindruck täuscht allerdings oft, denn rein theoretisch können tatsächlich in jedem Produkt entweder Allergene oder zumindest Spuren von Allergenen enthalten sein. Hier stellt sich dann die Frage: Wie relevant ist die Menge der potenziell enthaltenen Allergenspur für Sie als Allergiker oder Allergikerin. Durch ihre geringen Anteil am gesamten Essen bergen Gewürze beispielsweise ein eher geringes Risiko für die meisten Allergiker. Andere Produkte hingegen haben eine überdurchschnittlich hohe Wahrscheinlichkeit, „Spuren“ in relevanter Menge zu enthalten. Wir sprechen dann von sogenannten Risikoprodukten.

Wie bereits erwähnt, gilt offen verkaufte Ware grundsätzlich eher als risikobehaftet, da bei der Herstellung, Zubereitung und Lagerung der Lebensmittel einfach eine große Chance besteht, dass sie mit anderen, allergenhaltigen Lebensmitteln in Kontakt kommen. Ähnliches gilt für Nüsse und Erdnüsse, die oft in Müsli-Produkten, Produkten mit Körnern und Samen sowie Gebäck vorkommen.

Hier eine Aufzählung von ein paar der wichtigsten Allergene und wo sie überall vorkommen können, wo man sie vielleicht nicht direkt vermutet:

  • Kuhmilch: Gewöhnliche Margarine und zusammengesetzte Produkte wie Frikadellen, Würstchen, Fischbällchen oder -stäbchen, Kuchen, Kekse, Gebäck, Schokolade sowie Tüttensuppen und -soßen
  • Weizen: Brot, Kuchen, Gebäck, Müslimischungen, Nudeln (v.a. Spaghetti), Grütze auf Weizenbasis sowie in Halbfertigprodukten wie Tütensuppen und -soßen
  • Eier: Mayonnaise, Dressing, panierte Produkte, Gratins, Aufläufe, Kuchen, Waffeln, Speiseeis, Kekse und Nudelprodukte
  • Fisch: Leberpasteten (enthaltene Sardellen), Krabben-Sticks, Krabbensalat, Austern und Fischsauce
  • Nüsse: Marzipan, Schokoladen, Kuchen- und Gebäcksorten, Brotsorten, Müslisorten und Lupinenmehl in Backwaren (bspw. in Hamburgerbrot)

Lupinenmehl enthält Proteine, die eine Kreuzreaktion mit vielen anderen Allergenen wie Erdnüssen aufweisen. Daher sollten Nussallergiker Lupinensamen in jedem Fall meiden.

Seltene Allergien: So können sie entlarvt werden

Neben diesen häufig erwähnten Allergien, zu denen es bereits viele Studien und Erfahrungswerte gibt und bei denen Allergiker nur auf versteckte Allergene aufpassen müssen, gibt es tatsächlich auch „versteckte“ Allergien im Sinne von seltenen Allergien, deren Diagnose noch kaum gestellt werden. Wir stellen Ihnen im folgenden drei dieser Allergien vor:

1. Fleisch als Allergieauslöser

Das AGS (kurz für „Alpha-Gal-Syndrom“) bezeichnet die Allergie auf Säugetierfleisch und ist eine der spannendsten Entdeckungen in der Allergologie der letzten Jahre. Grund dafür ist das Zuckermolekül Alpha-Galactose, auch bekannt als Alpha-Gal. Es führte aufgrund von evolutionären Prozessen beim Menschen zu allergischen Reaktionen, die Gründe dafür sind derzeit noch gänzlich unbekannt. Eine Hypothese lautet, dass häufige Infektionen, die auf das Molekül zurückzuführen sind, zu Immunreaktionen führen.

Die Symptome einer Fleischallergie treten in der Regel in den ersten zwei bis sechs Stunden nach Verzehr von Fleischprodukten aus. Typisch sind:

  • Juckender Ausschlag
  • Übelkeit, Durchfall und Erbrechen
  • Sodbrennen und Verdauungsstörungen
  • Husten und Atemnot
  • Schwindel und Ohnmacht

2. Wollwachs als Allergieauslöser

Wollwachs, auch bekannt als Lanolin, wird beim Waschen von Wolle gewonnen. Es kommt in industriellen Bereichen zum Einsatz und auch viele medizinische und kosmetische Produkte wie Salben oder Cremes enthalten Lanolin. Menschen mit einer Wollwachsallergie entwickeln innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach einer Kontaktberührung rote Hautirritationen oder Ekzeme auf der Haut. Sie können auf dem gesamten Körper auftreten. Von ihnen geht zwar keine akute Gefahr aus, aber sie sind dennoch sehr unangenehm. Ein weiteres Indiz ist eine stark ausgetrocknete Haut.

3. Sonnenstrahlen als Allergieauslöser

Auch die Sonne oder andere Lichtquellen können Allergien hervorrufen. Man spricht dann im medizinischen Bereich von einer „polymorphen Lichtdermatose“. Durch eine Aktivierung der Mastzellen durch UV-Strahlen wird der Botenstoff Histamin ausgeschüttet, der Hautirritationen hervorruft. Warum genau die Mastzellen durch die Strahlung aktiviert werden, ist bis dato noch nicht bekannt. Typisch für eine Sonnenallergie sind Quaddeln oder Bläschen auf der Haut, die zwischen 15 Minuten und drei Stunden bestehen bleiben.

Wichtig: Diese Reaktionen können auch auf Hautstellen auftreten, die von Kleidung bedeckt sind. Eine Sonnenallergie ist zwar in der Regel harmlos, aber nichtsdestotrotz nervig und sollte frühzeitig von einem Arzt als solche erkannt werden.

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